
Die Zeit haben wir genutzt, um uns umzusehen. Natürlich kamen wir bei unserem Spaziergang auch am Holocaustmahnmal vorbei und haben sogleich dem Stelenfeld sowie dem Museum einen Besuch abgestattet. Einen richtigen Eingang des Denkmals gibt es ja eigentlich nicht und ein erklärendes Schild, das das Mahnmal als Solches kennzeichnet, konnten wir auch nicht entdecken. Einzig und allein dieses Hinweisschild findet sich mehrmals:

Wir hatten die Vermutung, dass einige ausländische Touristen womöglich gar nicht wussten, in oder auf was sie sich befanden und annahmen, die Stelen seien eine "gewöhnliche" Skulptur oder ein architektonisches Experiment der Stadt (was sie ja auch sind, aber eben mit speziellem Hintergrund). Jedenfalls gab es viele, die entgegen dem Hinweisschild auf den Stelen rumturnten, sich fröhlich lächelnd auf den Stelen drapierten, um fotografiert zu werden und zwischen den Stelen verstecken spielten. Nur Touristen in Bikini und mit Sonnenhut konnten wir keine entdecken.

Bei einer abendlichen Taxifahrt am Mahnmal vorbei erzählte uns dann der Fahrer, dass das Feld ein beliebter Ort sei, um sich zwischen den Stelen zu gesellen, zu trinken und anderen frivolen Aktivitäten nachzugehen und bei einem Blick aufs Feld konnte man fast annehmen, er könne Recht haben, denn im Dunkeln sieht es wirklich aus wie der perfekte Ort, heimlich mit Drogen zu dealen und dabei nicht aufzufallen. Seitdem ich in Frankfurt am Börneplatzdenkmal war, überrascht mich eh nichts mehr. Das Denkmal - die mit Gedenktafeln ausgestattete Außenmauer eines alten jüdischen Friedhofs - ist an einer Stelle der Mauer offensichtlich ein beliebtes Ausflugsziel von Frankfurter Hundebesitzern... und deren Hunden.
So sind die Ansichten eben unterschiedlich und das Benehmen nicht immer ganz knigge. Das Mahnmal in Berlin ist ohnehin heiß umstritten und ich muss sagen zurecht. Besonders eindrucksvoll hat das Stelenfeld nicht auf mich gewirkt und besondere Emotionen konnte ich bei mir auch keine feststellen. Ich muss zugeben, ich war schon an Orten, bei denen ich mehr empfunden und den Opfern des Holocaust mehr gedacht habe als an diesem... und die weniger gekostet haben als 70 Mio. Euro.
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen