Freitag, 12. Oktober 2007

Das ist meine Heimat.

Mein gestriges Gespräch mit Edith Erbrich, Jahrgang 1937, war sehr aufschlussreich, interessant und spannend. Frau Erbrich wurde als siebenjähriges Mädchen mit einem der letzten Transporte aus Frankfurt ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Nach Ende des Krieges kehrte sie zusammen mit ihrem Vater und ihrer älteren Schwester, beide ebenfalls im KZ inhaftiert, nach Frankfurt zu ihrer nicht-jüdischen Mutter zurück. Seitdem ist sie dort geblieben, lebt heute in Langen und sagt selbst:

"Es soll jeder dahin gehen, wo er meint, leben zu wollen. Ich kann nicht, nur weil die Ansicht besteht, nach Israel gehen. Ich bin hier groß geworden, ich bin in Frankfurt groß geworden. Das ist meine Heimat."

Morgen werde ich das Gespräch transkribieren. Ich bin schon sehr gespannt. Bei objektiver Betrachtung der Interviews kann man den Inhalt noch einmal ordentlich reflektieren und es stellt sich erst dann heraus, was und wie viel von dem Material verwendbar ist. Ob Aussagen benutzt werden, hängt nicht immer nur vom Inhalt ab, sondern ist auch abhängig von Äußerlichkeiten wie z.B. Unterbrechungen, aus dem Bild rutschen und Störgeräuschen. Frau Erbrichs tickende Wohnzimmeruhr zum Beispiel, die mir während des Gesprächs bereits auffiel, konnte ich beim Überfliegen des Materials bisher noch nicht wahrnehmen, dafür ist circa eine Minute lang ein unangenehmes Schaben und Kratzen aus der Wohnung oben drüber zu hören. Wer weiß, was der Nachbar da gemacht hat... Frau Ebrich hat ein paar Mal gehustet, was ihr keiner übel nimmt, immerhin musste sie auf meine zahlreichen Fragen antworten und die Luft war ziemlich trocken, trotzdem hoffe ich natürlich, dass das Husten nicht gerade die Stellen unterbrochen hat, die ich unbedingt verwenden möchte. Morgen weiß ich mehr.